Krawatten binden – Eine Philosophie für sich

Krawatten binden ist kein Hexenwerk. Auch wenn es kompliziert aussieht, die Krawatte zu einer ansehnlichen Schlaufe zu binden ist mit ein wenig Hilfe einfacher als gedacht. Allerdings ist jede Krawatte auch ein individuelles Statement, und die Fülle an Modellen und Bindetechniken ist so vielfältig, wie der Träger selbst. Schätzungen gehen international von sehr unterschiedlichen Zahlen aus, die von um die 80 Bindemöglichkeiten bis hin zu mehreren Tausend verschiedenen Knoten reichen. Viele unterscheiden sich dabei nur in kleinen Nuancen voneinander. Jeder Krawattenknoten hat grundsätzlich seine ganz eigene unverwechselbare Bindetechnik, die sich darüber hinaus für die verschiedenen Formen des Hemdkragens unterschiedlich gut eignet.
Die zahlreichen Möglichkeiten perfekt Krawatten binden zu lassen,  kann man in Form von kleinen bebilderten Anleitungen oder auch per Video erlernen. Für jeden Krawattenknoten gibt es eine eigene detaillierte Erklärung. Die zugehörigen Namen der Krawattenknoten sind entsprechend klangvoll. Für den Standardknoten lauten sie beispielsweise Sankt-Andreas-Knoten, Victoria-Knoten oder Kelvin-Knoten, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Auch Sonderknoten sind vertreten. Sie zeichnen sich meist durch Abwandlungen bereits bestehender Standardformen aus und werden als Kreuzknoten, Invertierte Knoten und Onassis-Knoten bezeichnet.
Neben all den unzähligen komplexen Knotenvariationen gibt es auch einen ganz klassischen Standardknoten. Selbst dieser bietet bereits mehr als nur eine einzige Herangehensweise. Es lassen sich drei unterschiedliche Variationen des Klassikers voneinander unterscheiden:

  • Windsorknoten,
  • Four-in-Hand Knoten
  • Pratt-Knoten

Diese drei Berühmtheiten des Krawattenknotens haben ihrerseits jeweils eine eigene kleine Geschichte, der sie ihren Namen verdanken. Wie es mit Geschichten häufig ist, sind sie überliefert. Eine eindeutige Definition lässt sich somit nur schwer geben.

Krawatte_binden

Krawatten binden – Die 3 Klassiker

Der Windsorknoten

doppelter_windsor
Dieser Knoten zeichnet sich durch eine bauchig voluminöse Form aus. Er soll auf Edward VIII., den berühmten Duke von Windsor zurückgehen. Der Duke selbst wusste allerdings zu berichten, dass ihm die Namensgebung des Knotens lediglich irrtümlich zugesprochen wurde. Edward war bekannt dafür, Krawatten mit ausgesprochen dicken Knoten zu tragen, was sich allerdings einzig der seinerzeit üblichen schweren Tuchqualität der Krawatten und nicht einer besonders ausgefallenen Bindetechnik verdankte. Tatsächlich stammt der doppelte Windsor ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Gelegentlich wird der Knoten auch als Englischer Knoten und als Doppelter Windsorknoten bezeichnet.

Windsorknoten binden Video Anleitung 

Der Four in Hand Knoten

fourinhand
Bei diesem Knoten gibt es gleich zwei Anekdoten zu seiner Herkunft. Die eine Geschichte besagt, der Krawattenknoten verdanke seinen Namen den noblen Herren des exklusiven Londoner Four-in-Hand Klubs, einem Kutschenklub aus Zeiten der Viktorianischen Ära. Andere Stimmen sehen die Entstehung etwas schlichter und verorten sie bei der Art und Weise, mit der Kutscher ihre Zügel zu einem Knoten geschlungen haben. Eine weitere Bezeichnung für den Four-in-Hand Knoten ist auch Einfacher Knoten.

Four-in-Hand Knoten binden Video Anleitung

Der Pratt Knoten

Pratt_Krawattenknoten
Diese Variante hat im Gegensatz zu den anderen Klassikern eine eindeutige Zuordnung. Die Bezeichnung des bekannten und beliebten Knotens geht zurück auf den Wirtschaftsunternehmer Jerry Pratt, seines Zeichens Mitglied der amerikanischen Handelskammer. Tatsächliche Berühmtheit erlangte der Knoten allerdings erst durch einen amerikanischen Fernsehmoderator namens Don Shelby. Er ließ sich in seiner Sendung von Pratt das Binden der Krawatte nach seiner Methode erklären und sorgte auf diese Weise für eine schnelle Verbreitung des Knotens. Dem entsprechend ist dieser Krawattenknoten auch unter den beiden Namen Shelby-Knoten sowie Pratt-Shelby-Knoten bekannt.

Pratt Knoten binden Video Anleitung

Krawatten binden – Länge, Breite und Muster

Das richtige Krawatte binden setzt einige Grundkenntnisse zur Beschaffenheit der Krawatte selbst voraus. Beim Ausprobieren der Bindeanleitungen zu den zahlreichen Krawattenknoten sollte beim Ergebnis die Krawatte immer knapp den Hosenbund bedecken. Sie darf demnach nicht zu kurz sein. Je komplexer und verschlungener der Knoten, umso länger sollte die Krawatte sein.

Eine durchschnittliche Krawatte ist heute in der Regel um die 145 cm lang. Es gibt natürlich auch deutlich kürzere oder längere Modelle. Männer haben allerdings einen unterschiedlich langen Rumpf. Es macht demnach Sinn, beim Kauf einer Krawatte das Modell vor dem Spiegel anzuprobieren. Bei einer Krawatte als Geschenk ist es durchaus hilfreich, vorab die sonst genutzte Länge des Trägers in Erfahrung zu bringen, um auf der richtigen Seite zu sein. Auch die Breite einer Krawatte spielt für den Knoten eine wichtige Rolle. Nicht jeder Knoten eignet sich für jede Breite. Die meisten Krawatten sind mit einer Breite von sieben bis neun Zentimetern erhältlich. Aber auch deutlich schmalere und breitere Modelle finden ihren Käufer. Für einen opulenten Knoten sollte zumindest kein allzu zierliches Krawattenmodell gewählt werden und umgekehrt. Hinsichtlich des Musters einer Krawatte ist prinzipiell erlaubt, was gefällt. Es wäre allerdings schade, wenn eine besonders kunstvolle Knotenform im überdimensionalen Muster der Krawatte untergeht.

Krawatten binden – Hemdkragen

Auch hier gilt zunächst, dass grundsätzlich erlaubt ist, was gefällt. Nicht immer stehen gesellschaftliche Konventionen beim Tragen einer Krawatte im Vordergrund. Vielfach geht es auch einfach nur um den individuellen Style und das Besondere. Bei den vier Klassiker-Knoten lassen sich zumindest einige Aspekte bezüglich des geeigneten Hemdes bezeichnen. Die Kragenform des Hemdes gilt beim Kauf meist als maßgeblich für den gewählten Knoten.

  • Der Windsorknoten ist besonders elegant und stilvoll. Passende Hemdkragen für diesen Knoten sind der New Kent-Kragen und der Haifisch-Kragen. Der New Kent-Kragen ist der ideale Kragen für nahezu alle Knotenmodelle. Der Haifisch bietet einen großräumigen gespreizten Kragenbereich, der dem voluminösen Windsorknoten ausreichend Platz bietet.
  • Der Halbe Windsorknoten ist zusammen mit einem New Kent-Kragen, einem Kent-Kragen und einem Tab-Kragen gut aufgehoben. Der Kent-Kragen bietet einen klassischen und ausreichend großen Ausschnitt, der Tab-Kragen platziert den Knoten exakt und elegant in der Mitte. Auch ist der Halbe Windsorknoten schmal genug, um zu diesem schmalen Kragenmodell gut zu passen.
  • Der Four-in-Hand Knoten harmoniert ideal mit einem Kent- und einem New Kent-Kragen. Darüber hinaus ist der Italian Kent-Kragen empfehlenswert, der zierlicher und kleiner gestaltet ist, als der Kent-Kragen und zur länglichen Gestalt des Four-in-Hand Knotens bestens passt.
  • Der Pratt-Knoten zeichnet sich durch ein durchschnittliches, mittleres Knotenvolumen aus und passt gut zu einem Kent-, einem New Kent- und einem Tab-Kragen.


Krawatten binden – Tipps und Tricks

Ein stilvoller Krawattenknoten sieht umso besser aus, je exakter und passender er gebunden ist. Es ist verlockend, eine getragene Krawatte nur zu lockern, sie über den Kopf zu streifen und sie beim nächsten Tragen wieder in Form zu rücken. Allerdings ist dieser Trick fast immer zu sehen. Selten sitzt die Krawatte beim erneuten Tragen auf passender Höhe, weil durch das großflächige Lockern und Anziehen der Schlaufe die Abmessungen nicht mehr stimmen. Auch leidet das Material der Krawatte, wenn es zwischendurch nicht glatt gestrichen wird. Eine stilvolle und hochwertige Krawatte verdient eine gute Behandlung. Der Knoten sollte immer behutsam gelöst und die Krawatte selbst hängend oder leicht eingerollt aufbewahrt werden.

Für die meisten Gelegenheiten reichen zwei verschiedene Krawattenknoten. Wer sich eine Videoanleitung ein paar Mal hintereinander ansieht und anschließend vor dem Spiegel übt, hat Tricks und Kniffe schnell parat. Die Technik ist in der Regel weniger kompliziert, als sie aussieht. Übung ist beim Lernen des richtigen Bindens alles. Wenn das Prinzip im Kopf ist, klappt es in der Regel auch mit dem regelmäßigen Binden in kürzester Zeit. Es gibt zwei zentrale Fehlerquellen für den Fall, dass ein gebundener Knoten seltsam aussieht. In der Regel ist er entweder zu fest oder zu locker gezogen. Wenn der Knoten zu straff gezogen wird, wirkt es, als würde er in den Hemdkragen hineinrutschen. In dem Fall reicht es meist aus, ihn etwas zu lockern und in Form zu zupfen. Einen zu lockeren Knoten erkennt man hingegen am Sichtbarwerden der Kragenknöpfe.