Die Geschichte der Krawatte

Die Krawatte macht den eleganten Auftritt erst perfekt. Ein Anzug ohne Krawatte wirkt bereits auf den ersten Blick unvollständig. Die Fliege als Alternative zur Krawatte kann die Lücke füllen, erreicht jedoch nicht die Eleganz und Seriosität einer Krawatte.

Woher stammt eigentlich der Begriff Krawatte?

Hast du dich auch schon gefragt, wie es zum Wort Krawatte kam? Falls du jetzt einen französischen Ursprung vermutest, bist du bereits auf der richtigen Spur. Auf diesem Wege zog der Begriff Krawatte in die deutsche Sprache ein. Die Franzosen benutzten die Bezeichnung „à la cravate“ für das Tragen des um den Hals geschlungenen Stückes Stoff. Die Übersetzung hierfür lautet „nach kroatischer Art“. „Cravat“ leitet sich außerdem im Französischen von „le croate“ für „Kroate“ ab.

Der Sonnenkönig Ludwig XIV. heuerte im 17. Jahrhundert kroatische Söldner an. Bestandteil ihrer Militäruniform war ein weißes Stoffstück namens „hravatska“. Es wurde am Kragen als Rosette getragen, auslaufend in zwei locker am Oberkörper herabhängenden Enden. Die Franzosen waren hiervon so begeistert, dass ein neuer Modetrend entstand, der sich über ganz Europa ausbreitete. Die Krawatte inklusive ihres Namens war geboren.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Krawatte weiterentwickelt. So schlangen Krawattenträger sich das gute Stück gleich zweimal um den Hals und schlossen die Krawatte in einem großen Knoten. Anlässlich der von den Franzosen im Jahre 1692 gewonnenen Schlacht von Steinkerque in Belgien entstand die hiernach benannte „Mode à la Steinkerque“. Sie betonte stärker die persönliche Individualität und zeichnete sich durch eine eher lässige Eleganz aus.

Eine à la Steinkerque gebundene Krawatte umschloss den Hals locker und ihre beiden Enden verschwanden in einem Jackettloch oder wurden mittels einer Nadel festgesteckt. Die Steinkerque-Krawattenmode erfreute sich so großer Beliebtheit, dass sich sogar die Damenwelt von ihr inspirieren ließ. Die Damen verwendeten analog zu den Krawattenexemplaren der Herren eigene Krawatten aus Spitzenstoff. Abgelöst wurde der Steinkerque-Krawattenstil schließlich von der Cremone, die sich wieder stärker an der ursprünglichen Version der Krawatte zur Zeit Ludwigs XIV. orientierte.

Einen neuen Markstein setzte die Französische Revolution. Vom bisher eher modischen Statement mit teilweise verspielten Anklängen wechselte die Krawatte ihr Image nun zu einem Statussymbol der Macht und zum Signal für die eigene politische Überzeugung. Während Revolutionäre schwarze Krawatten trugen, banden sich Revolutionsgegner ein weißes Exemplar um.

Krawatte Ursprung
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Das passende Hemd zur Krawatte

Es folgte der Modestil der Incroyables mit seiner äußerst extravaganten Art, eine Krawatte zu tragen. Incroyables liebten es bei ihrer Kleidung bunt und fantasievoll. Passend dazu fielen ihre Krawatten überproportional aus und wurden mit zahlreichen Schleifen gebunden, sodass Kinn und Unterlippe davon verdeckt wurden. Ein typischer und bekannter Vertreter dieser Mode war der englische Dandy George Bryan Brummell alias Beau Brummell. Er soll täglich mehrere Stunden damit zugebracht haben, immer wieder neue Krawattenknotenformen zu erfinden. Zu seiner Besessenheit passt auch der von ihm überlieferte Ausspruch: „Meine erste Sorge gilt meiner Krawatte. Sie ist der Prüfstein guten Geschmacks. Ich arbeite Stunden in der Hoffnung, dass sie wie hastig gebunden wirken mag.“ Brummell trug mit zur Verbreitung der Krawatte bei und er erfand außerdem den gestärkten Hemdkragen.

Die Krawatte erobert Europa

Als Adlige und wohlhabende Bürger also im 17. Jahrhundert während der Zeit des Barocks das kroatische Halstuch als Vorläufer der späteren Krawatte für sich entdeckten, kreierten sie schon raffinierte Knoten, wobei auch die Herren zu Spitzenrüschen als Dekoration griffen. Hiermit konnten sie zusätzlich ihren Wohlstand demonstrieren. Kroatische Halstücher waren damals absolute Luxusaccessoires und Statussymbole. Für Herren, die keine Zeit oder Geduld zum Binden des Tuches hatten, gab es fertig gebundene und geschmückte Tücher zu exorbitanten Preisen zu kaufen. Im 18. Jahrhundert wurde sprachlich aus der „cravat“ die „Krawatte“. Aus voluminösen rechteckigen Seidenhalstüchern in Schwarz, Grau oder Weiß wurden im 19. Jahrhundert schmalere Halsbinden in beliebigen Farben mit den noch heute typischen verbreiterten Enden.
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Die Krawatte wird zum demokratischen Schlips

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die Krawattenmode wieder schlichter und zum gängigen Teil der Herrenbekleidung. Neben ihrer neuen Rolle als alltägliches Kleidungsstück entdecken Schulen und Vereine die Krawatte als Bestandteil für ihre Uniformen. Auslöser dieser Einsatzidee war 1880 die Universität in Oxford. Die englischen Schuluniformen charakterisierte der Schlips als ihr typisches Merkmal. Das damals für Vereins- und Schuluniformen übliche Krawattenmodell kann als unmittelbarer Vorgänger des Schlipses gesehen werden. In den 20er Jahren etablierte sich in der britischen Mittelklasse ein Outfit aus formellem Anzug mit gepflegtem Hemdkragen und gebundener Krawatte als Signal für beruflichen Erfolg sowie Erkennungszeichen untereinander.
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Der moderne Schlips

Der britische und später auch noch amerikanische Einfluss in der Krawattenmode erinnert im Wort „Schlips“ hieran, denn das Wort leitet sich aus dem englischen „slip“ für „Streifen“ ab. Krawatte und Schlips werden im deutschen Sprachgebrauch parallel verwendet, wobei der Begriff Krawatte als etwas vornehmer als das saloppere Wort Schlips empfunden wird.


Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen wieder farbenfrohe Krawatten in Mode, gebunden in Knoten von unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Stilen. Während der Rock-’n‘-Roll-Ära der 50er Jahre ist der Schlips in der jüngeren Generation nicht mehr angesagt, erfährt aber in den 60er Jahren dank den Beatles eine Neuentdeckung, bis er von den Hippies wieder für out erklärt wird. Ende der 70er Jahre feiert der Schlips sein Comeback, das er mit leichten Ab- und Aufwärtsbewegungen seitdem hält. Hinzu kommt, dass die Krawatte heute so demokratisch ist wie nie zuvor: Jeder trägt sie nun, wie er mag – förmlich bis lässig, uni oder dezent gemustert bis hin zu Comic-Drucken, aus Leder oder in Strick. Noch immer aber sind Schlipse aus dem Material Seide sehr gefragt. Aber auch Krawatten aus modernen Kunstfasern haben ihre Fans, denn sie gelten als besonders pflegeleicht und sind mit bloßem Auge kaum von Seidenkrawatten zu unterscheiden. Als Statussymbol dient die Krawatte heutzutage nicht mehr.
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Die Damen Krawatte

Außer ersten Versuchen mit Spitzenkrawatten integrierten einige adlige Damen gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Krawatte in ihren Reitdress. Rund 200 Jahre später erfuhr die sportliche Variante der Damen-Krawatte bei Radfahrerinnen und Seglerinnen erneut Verwendung. Zahlreiche Damen aus Adel und Bildungsbürgertum entdeckten um 1900 herum für sich den Look im Herrenhemd mit Krawatte. Die Frauenrechtlerinnen gaben über das Tragen der Krawatte ihrem Streben nach Gleichberechtigung Ausdruck. Später machte Marlene Dietrich das Tragen von Anzug und Krawatte salonfähig. Auch Damen von heute schätzen hin und wieder die Krawatte als Accessoire, auch gern mal kombiniert mit einem Anzug.

Eine Selbstverständlichkeit ist die Krawatte für Damen auch bei Polizeiuniformen.

Krawatten-Vorgeschichte

Bei den alten Ägyptern hingegen waren krawattenartige Tücher in Dreiecksform um den Hals gebunden oder wurden wie ein Schal auf der Schulter drapiert. Sie waren höheren Klassen und Hohepriestern vorbehalten. Von den Phöniziern ist ein die Rolle der Krawatte einnehmendes Halstuch bekannt. Altrömische Legionäre trugen die Focale als wärmendes Halstuch, das als Frühform einer Krawatte betrachtet werden kann. Vorläufer dieses Teiles der altrömischen Militäruniform war einst ein zur Stimmschonung getragenes Halstuch. Die Soldaten der altchinesischen Terrakotta-Armee tragen ebenfalls um ihre Hälse geschlungene lange krawattenähnliche Tücher.